Digitale Grauzonen: Radikalisierungspotenziale von islamistischen Videos und Kommentarspalten

Manchmal zeigen sich die größten Risiken dort, wo auf den ersten Blick scheinbar nichts Gefährliches passiert. Genau in diesen Zwischenräumen, sog. Grauzonen, setzt die vorliegende Studie der Landesanstalt für Medien NRW an. Sie untersucht, wie islamistische Inhalte auf Social Media funktionieren, die nicht offen strafbar sind, aber dennoch eine Wirkung entfalten, die Jugendliche und junge Erwachsene in problematische Denkmuster führen kann. Die Analyse blickt tief in einen Bereich, der in der Präventionsarbeit bisher zu wenig Beachtung gefunden hat: Videos, die emotional aufgeladen, identitätsstiftend und rhetorisch geschickt verpackt sind und deren Wirkung sich oft erst in den Kommentarspalten zeigt.

Hass- und Gewaltpropaganda auf Discord

Discord hat sich in den letzten Jahren von einer Plattform für Gamer:innen zu einem breiten Kommunikationsraum entwickelt. Jugendliche nutzen ihn, um sich in Communities auszutauschen, Musik zu hören oder gemeinsam zu spielen. Doch die Vielfalt der Server bringt auch Schattenseiten mit sich. Denn neben harmlosen Hobbygruppen finden sich immer wieder Räume, in denen Hass, Gewaltverherrlichung oder demokratiefeindliche Inhalte verbreitet werden.

Handbuch Gaming & Rechtsextremismus

Digitale Spiele gehören für viele Jugendliche längst zum Alltag. Über 70 % der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland spielen regelmäßig und bewegen sich damit in Räumen, die weit mehr sind als bloße Unterhaltung. Gaming-Communities sind soziale Treffpunkte, in denen Freundschaften entstehen, aber auch politische Diskussionen geführt werden. Gerade deshalb ist es wichtig, auch problematische Entwicklungen im Blick zu haben: Denn extrem rechte Einstellungen und Diskurse finden hier ebenso ihren Platz.

Unlearning Anti-Feminism on TikTok

Social Media bieten jungen Menschen viele Möglichkeiten zur Teilhabe, Unterhaltung und Information. Die Algorithmen spülen ihnen allerdings auch Desinformation, Fake News und ideologischen Content – darunter extremistische und antifeministische Inhalte – in ihren Feed. Besonders beliebt bei Jugendlichen ist die Plattform TikTok. Das Methodenset „Unlearning Anti-Feminism on TikTok“ ist im gleichnamigen praxisorientierten Forschungsprojekt von mediale pfade und der Universität zu Köln entstanden.

Jugendschutz im Internet – Bericht 2024

Kinder und Jugendliche bewegen sich heute selbstverständlich in digitalen Räumen – und stoßen dabei auf zahlreiche Risiken. Der aktuelle Jahresbericht 2024 von jugendschutz.net zeigt, wie groß der Handlungsbedarf beim Schutz junger Menschen im Netz nach wie vor ist. Plattformen wie TikTok, Instagram oder Discord bleiben zentrale Drehorte für riskante Trends, extremistische Ansprachen und digitale Gewalt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Allein im Jahr 2024 registrierte jugendschutz.net 17.630 Verstoßfälle, davon rund 90 % im Bereich sexualisierte Gewalt – ein neuer Höchstwert.

SwipeAway

Hassrede, Verschwörungserzählungen und Fake News begegnen Jugendlichen täglich in sozialen Netzwerken – meist direkt auf ihren Smartphones. Mit dem interaktiven Spiel SwipeAway bietet die Amadeu Antonio Stiftung ein niedrigschwelliges Lernangebot, das genau dort ansetzt, wo junge Menschen diese Inhalte erleben: im Social-Media-Feed. Das kostenlose Serious Game richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren und möchte nicht nur aufklären, sondern auch zum aktiven Handeln gegen digitale Gewalt befähigen.

Rechtsextreme Online-Strategien zwischen Trend und Tarnung

Bei der Bundestagswahl 2025 hat die AfD als rechtsextreme Partei mehr als 20 % der Stimmen gewonnen. Unsere Demokratie steht damit unter Druck. Nicht zuletzt der massive Auftritt der AfD in Social Media und vor allem auf TikTok, der Plattform für junge Leute, hat die Partei in der Wahrnehmung der jungen Generation gestärkt. In der Broschüre „Rechtsextreme Online-Strategien zwischen Trend und Tarnung“ von klicksafe erfahren Eltern, wie sie ihr Kind gegen rechtsextreme Online-Inhalte stark machen können.

Nazis hassen diese Tricks

Deutschland steht vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Rechtsextreme Ideologien gewinnen zunehmend an Einfluss, rassistische und demokratiefeindliche Positionen finden in Teilen der Gesellschaft wieder Anschluss. Dies zeigt sich nicht nur in Wahlerfolgen rechtsextremer Parteien, sondern auch in der zunehmenden Verbreitung rassistischer Narrative, Angriffe auf Journalist:innen und einer wachsenden Normalisierung von extremistischen Positionen in öffentlichen Debatten. Die Geschichte mahnt uns, dass rechtsextreme Strukturen nicht nur eine Gefahr für einzelne Gruppen, sondern für die gesamte Gesellschaft darstellen. Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit stehen auf dem Spiel – umso wichtiger ist es, entschieden dagegenzuhalten. Die Broschüre „Nazis hassen diese Tricks“, herausgegeben von der DGB Jugend Niederbayern, liefert wertvolle Anregungen, wie sich Einzelpersonen und Organisationen aktiv gegen rechtsextreme Tendenzen engagieren können.