Mit der Einführung von WhatsApp-Kanälen hat sich ein Messenger, der lange vor allem für private Kommunikation stand, sichtbar verändert. Inhalte können nun öffentlich verbreitet, abonniert und von vielen Nutzer:innen gleichzeitig verfolgt werden. Dadurch entstehen neue Formen digitaler Öffentlichkeit innerhalb einer App, die für Kinder und Jugendliche ohnehin zum festen Bestandteil ihres Alltags gehört. Eine aktuelle Studie der Landesanstalt für Medien NRW untersucht, wie junge Menschen diese Funktion nutzen und welche Bedeutung sie für Information, Selbstdarstellung und Medienhandeln hat. Eine aktuelle Studie der Landesanstalt für Medien NRW untersucht, welche Rolle diese Kanäle im Medienhandeln junger Menschen spielen, welche Inhalte dort geteilt werden und welche Chancen sowie Risiken damit verbunden sind.
Im Unterschied zu klassischen Chats ermöglichen WhatsApp-Kanäle eine einseitige Kommunikation. Betreiber:innen veröffentlichen Beiträge, während Abonnent:innen diese hauptsächlich lesen und mit Emojis reagieren können. Dadurch entstehen neue Formen digitaler Öffentlichkeit, die zwischen persönlichem Austausch und sozialer Bühne angesiedelt sind. Die Studie zeigt, dass WhatsApp für viele Jugendliche eine zentrale Plattform bleibt, nicht zuletzt, weil sie bereits früh genutzt wird und eng mit Freundschaften, Schule und Familienkommunikation verbunden ist.
Selbstdarstellung und Gemeinschaft
Die Untersuchung macht deutlich, dass WhatsApp-Kanäle von Jugendlichen häufig genutzt werden, um Einblicke in den eigenen Alltag zu geben oder Interessen zu teilen. Themen wie Hobbys, Schule oder Freizeitaktivitäten prägen die Inhalte ebenso wie humorvolle Clips, Challenges oder Fan-Communities. Dabei spielen Anerkennung und Zugehörigkeit eine wichtige Rolle: Die Anzahl der Abonnent:innen oder Reaktionen kann als Form sozialer Bestätigung wahrgenommen werden. Gleichzeitig bieten die Kanäle eine niedrigschwellige Möglichkeit, sich auszuprobieren und digitale Selbstinszenierung zu erlernen.
Auffällig ist zudem, dass WhatsApp-Kanäle oft als geschützter wahrgenommen werden als andere Social-Media-Plattformen. Die vertraute Umgebung des Messengers vermittelt ein Gefühl von Nähe und Kontrolle. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass diese Wahrnehmung trügerisch sein kann. Gerade wenn persönliche Informationen oder intime Einblicke öffentlich geteilt werden, entstehen neue Risiken im Hinblick auf Privatsphäre, Cybergrooming oder mögliche negative Reaktionen aus dem Umfeld.
Chancen und Herausforderungen für Medienkompetenz
Neben Unterhaltung und sozialer Interaktion dienen WhatsApp-Kanäle auch der Information. Jugendliche abonnieren beispielsweise Nachrichtenangebote, Influencer:innen oder Markenkanäle, um schnell über neue Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Gleichzeitig kann die permanente Verfügbarkeit von Inhalten dazu führen, dass Erwartungsdruck entsteht oder sich Nutzungsgewohnheiten verfestigen.
Für die Medienbildung ergibt sich daraus die Aufgabe, junge Menschen im reflektierten Umgang mit solchen Kommunikationsformen zu begleiten. Dazu gehört, Chancen digitaler Teilhabe zu erkennen und gleichzeitig für Fragen des Datenschutzes, der Selbstpräsentation und der sozialen Dynamik in Online-Communities zu sensibilisieren. Die Studie zeigt damit, wie eng die alltägliche Messenger-Nutzung und medienpädagogische Fragestellungen inzwischen miteinander verknüpft sind.
Titel
WhatsApp-Kanäle: Zwischen digitalem Tagebuch und Online-Boltzplatz. Nutzungsmotive, Inhalte und Risiken von WhatsApp-Kanälen bei Kindern und Jugendlichen.
quelle (Erscheinungsjahr)
Landesanstalt für Medien NRW (2026)
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