Wie sollte ein Internet aussehen, in dem sich Kinder und Jugendliche sicher fühlen und gleichzeitig selbstbestimmt bewegen können? Während über Altersgrenzen, Social-Media-Verbote und den Schutz Minderjähriger diskutiert wird, kommen die Perspektiven junger Menschen selbst häufig zu kurz. Der vorliegende Bericht greift deshalb die Erfahrungen, Wünsche und Forderungen von Kindern und Jugendlichen auf. Die im Mai 2026 vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) herausgegebene Veröffentlichung wurde im Rahmen des Projekts „Kinderschutz und Kinderrechte in der digitalen Welt“ von der Stiftung Digitale Chancen erarbeitet.
Grundlage des Berichts bilden Beteiligungsworkshops mit Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren, deren Ergebnisse in die Beratungen der Expertenkommission zum Kinder- und Jugendmedienschutz einfließen sollen. Im Mittelpunkt stehen vier Themenbereiche: Medienkompetenz, Kinderschutz und Sicherheit, Wohlbefinden und mentale Gesundheit sowie Künstliche Intelligenz (KI). Insgesamt wurden 70 Forderungen formuliert, die zeigen, welche Veränderungen sich die Teilnehmenden für die Gestaltung digitaler Angebote wünschen.
Schutz und Selbstbestimmung
Ein zentrales Ergebnis ist der Wunsch nach mehr Sicherheit, ohne dabei die eigene Selbstbestimmung aufzugeben. Die Kinder und Jugendlichen fordern unter anderem verständliche Datenschutzinformationen, einfachere Meldeverfahren und einen konsequenteren Umgang mit Hass, Beleidigungen und unangemessenen Inhalten. Auch Plattformbetreiber:innen sollen stärker in die Verantwortung genommen werden. Dazu gehören altersgerechte Einstellungen, sichere Verfahren zur Altersfeststellung und die Abschaltung von Funktionen, die eine übermäßig lange Nutzung fördern.
Gleichzeitig stehen die Teilnehmenden pauschalen Social-Media-Verboten mehrheitlich kritisch gegenüber. Statt eines generellen Ausschlusses wünschen sie sich eine bessere Vorbereitung auf die Nutzung digitaler Angebote und mehr Möglichkeiten, ihre Online-Erfahrungen selbst zu gestalten. So möchten sie beispielsweise beeinflussen können, welche Inhalte ihnen angezeigt werden. Auch bei Regeln zur Smartphone-Nutzung in der Schule sprechen sich viele für gemeinsam ausgehandelte Vereinbarungen aus.
Medienkompetenz und Künstliche Intelligenz
Besonders deutlich wird im Bericht die Bedeutung der Medienbildung. Die Kinder- und Jugendlichen wünschen sich frühzeitige und kontinuierliche Angebote, in denen sie unter anderem lernen, wie Algorithmen funktionieren, wie sich die eigene Nutzungszeit regulieren lässt und welche Unterstützungsmöglichkeiten bei problematischen Online-Erfahrungen bestehen. Neben entsprechenden Unterrichtsangeboten werden Mediensprechstunden, Peer-to-Peer-Formate und regelmäßige Fortbildungen für Lehrkräfte vorgeschlagen. Wichtig sind den Jugendlichen vor allem erwachsene Ansprechpersonen, die ihre digitale Lebenswelt verstehen und nicht ausschließlich mit Verboten reagieren.
Auch KI nimmt einen eigenen Themenbereich ein. Die Kinder und Jugendlichen beschreiben KI-Anwendungen einerseits als Erleichterung im Alltag, äußern andererseits aber Bedenken hinsichtlich möglicher Risiken. Insbesondere die Erstellung manipulierter oder sexualisierter Bilder anderer Personen beschäftigt die Teilnehmenden. Sie fordern deshalb strengere Schutzmaßnahmen gegen Deepfakes und sog. Deepnudes sowie mehr Aufklärung über die Funktionsweise und Grenzen von KI-Systemen.
Fazit
Der Bericht verdeutlicht, dass Kinder- und Jugendmedienschutz aus Sicht der Beteiligten mehr umfasst als technische Schutzmaßnahmen oder Altersbeschränkungen. Neben dem Schutz vor Risiken spielen Medienkompetenz, Mitbestimmung und der Zugang zu vertrauenswürdigen Ansprechpersonen eine wichtige Rolle. Die Veröffentlichung bietet damit einen Einblick in die Perspektiven junger Menschen und ihre konkreten Vorstellungen von einem sicheren und zugleich selbstbestimmten digitalen Alltag.
Titel:
Gemeinsam für ein besseres und sicheres Internet. Bericht zur Kinder- und Jugendbeteiligung für die Expertenkommission
Quelle (Erscheinungsjahr):
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) (2026)
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