Die klassische Nachrichtensendung um 20 Uhr oder die morgendliche Zeitung spielen für viele junge Menschen längst nicht mehr die gleiche Rolle wie früher. Informationen erreichen sie heute häufig über Instagram, TikTok, YouTube oder Messenger-Dienste. Der aktuelle ARD-Forschungsdienst fasst zahlreiche internationale Studien zur Nachrichtenrezeption junger Menschen zusammen und zeigt, wie sich Nachrichtenkonsum und Informationsverhalten verändern.
Ein zentrales Ergebnis: Junge Erwachsene beziehen Nachrichten zunehmend über Soziale Netzwerke und Videoplattformen. Textbasierte Nachrichten bleiben zwar relevant, gleichzeitig gewinnen Videoformate als Informationsquelle an Bedeutung. Dabei unterscheiden sich junge Menschen deutlich in ihrem Umgang mit Nachrichten. Während einige aktiv nach Informationen suchen, begegnen andere Nachrichten eher zufällig im Verlauf ihrer alltäglichen Mediennutzung.
Interesse oder Zufall?
Mehrere der vorgestellten Studien zeigen, dass Nachrichtenkonsum bei jungen Menschen häufig weniger von dem Wunsch geprägt ist, umfassend informiert zu sein. Stattdessen orientiert er sich oft an persönlichen Interessen, aktuellen Ereignissen oder Themen, die im eigenen Umfeld diskutiert werden. Nachrichten werden dabei nicht mehr unbedingt als zusammenhängendes Angebot wahrgenommen, sondern eher als einzelne Beiträge, Videos oder Posts.
In diesem Zusammenhang taucht immer wieder das Prinzip „News find me“ auf. Viele junge Menschen suchen Nachrichten nicht aktiv, sondern stoßen im Feed, über Empfehlungen oder durch geteilte Inhalte von Freund:innen darauf. Gleichzeitig wird deutlich, dass Nachrichten auf Plattformen wie Instagram oder TikTok häufig kurz, verständlich und leicht konsumierbar sein sollen. Besonders geschätzt werden Erklärvideos und kompakte Formate, die komplexe Themen verständlich aufbereiten.
Die Rolle von Newsfluencer:innen
Mit der Verlagerung auf digitale Plattformen gewinnen auch sogenannte Newsfluencer:innen an Bedeutung. Sie produzieren eigene Nachrichteninhalte oder kommentieren aktuelle Ereignisse für ihre Communities. Die im Forschungsdienst vorgestellten Studien zeigen, dass Jugendliche dabei vor allem auf Authentizität, Verständlichkeit und eine persönliche Ansprache achten. Bevorzugt werden Personen, die Informationen in einfacher Sprache vermitteln und gleichzeitig nahbar wirken.
Auffällig ist außerdem, dass viele Jugendliche journalistische Inhalte nicht grundsätzlich ablehnen. Vielmehr wünschen sie sich eine Präsentation, die stärker an ihre Mediengewohnheiten angepasst ist. Informationen sollen verständlich, direkt und möglichst alltagsnah vermittelt werden.
Vertrauen bleibt wichtig
Trotz der wachsenden Bedeutung Sozialer Netzwerke zeigt der Forschungsüberblick, dass etablierte Medienmarken weiterhin einen Vertrauensvorschuss genießen. Gerade wenn es um die Glaubwürdigkeit von Nachrichten geht, orientieren sich viele junge Menschen an bekannten journalistischen Angeboten. Gleichzeitig spielen aber auch Likes, Kommentare und Empfehlungen anderer Nutzer:innen eine wichtige Rolle bei der Einschätzung von Informationen.
Die Studien machen zudem deutlich, dass sich die Nachrichtenkompetenz mit zunehmendem Alter verändert. Ältere Jugendliche und junge Erwachsene setzen sich kritischer mit Informationen auseinander und wenden häufiger Strategien an, um die Glaubwürdigkeit von Nachrichten zu überprüfen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, Informationen in Sozialen Netzwerken einzuordnen und zwischen vertrauenswürdigen und fragwürdigen Quellen zu unterscheiden.
Nachrichten zwischen Medienbildung und Alltag
Der ARD-Forschungsdienst zeigt, dass Nachrichten heute ein fester Bestandteil digitaler Lebenswelten sind, auch wenn sie häufig anders genutzt werden als in früheren Generationen. Informationen werden zunehmend personalisiert, plattformübergreifend und oft nebenbei konsumiert. Für die Medienbildung bedeutet dies, nicht nur die Bewertung von Informationen zu thematisieren, sondern auch die Wege, über die Nachrichten junge Menschen überhaupt erreichen.
Titel
Nachrichtenrezeption junger Menschen
quelle (Erscheinungsjahr)
ARD-Forschungsdienst (2026)
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