Ein vermeintlich absurder Clip, eine Anspielung auf ein Videospiel oder ein Meme, dessen Bedeutung sich nicht sofort erschließt: Frauenverachtende Inhalte treten in Sozialen Medien nicht immer offen als solche auf. Häufig verstecken sie sich hinter Ironie, Insider-Witzen und popkulturellen Bezügen. Der aktuelle Report „Frauenverachtender Trend Junkofication“ von jugendschutz.net zeigt am Beispiel eines vor allem auf TikTok verbreiteten Trends, wie die Verhöhnung eines realen Gewaltopfers aus extremistischen Online-Nischen auf reichweitenstarke Plattformen gelangt. Dabei werden sexualisierte Gewalt verharmlost, die Betroffene verspottet und frauenfeindliche Weltbilder als schwarzer Humor getarnt.
Der Begriff Junkofication bezieht sich auf Junko Furuta, eine japanische Jugendliche, die Ende der 1980er-Jahre Opfer schwerster sexualisierter Gewalt wurde. Bilder, Memes und KI-generierte Videos greifen ihre Leidensgeschichte auf, bearbeiten reale Aufnahmen oder versetzen sie in neue Zusammenhänge. Einige Beiträge stellen die Gewalt als angeblich freiwillig dar oder verbinden sie mit bekannten Spielen, Serien und Figuren. Dadurch erscheinen die Inhalte auf den ersten Blick wie ein Teil gewöhnlicher Jugend- und Popkultur. Tatsächlich transportieren sie jedoch menschenverachtende und antifeministische Botschaften.
Codes, Memes und KI-generierte Inhalte
Der Report ordnet Junkofication als Beispiel dafür ein, wie Ausdrucksformen aus der Incel-Subkultur und rechtsextremen Online-Milieus in die allgemeine Webkultur einsickern können. Neben gezielten Provokationen und ideologisch motivierten Beiträgen spielt auch Ragebait eine Rolle. Die Inhalte sollen Empörung auslösen, Interaktionen erzeugen und dadurch möglichst viel Reichweite gewinnen. Laut jugendschutz.net erzielten einzelne Beiträge auf TikTok mehrere Zehntausend oder sogar Hunderttausend Aufrufe.
Besonders schwer zu erkennen sind die verwendeten Chiffren und Insider-Anspielungen. Zahlen, Emojis oder harmlose Gegenstände verweisen verschlüsselt auf die erlittene Gewalt. Dieses sog. Algospeak kann dazu dienen, problematische Begriffe zu umgehen und eine Moderation durch die Plattformen zu erschweren. Zugleich erzeugen die Codes ein Gefühl des Eingeweihtseins. Wer ihre Bedeutung nicht kennt, nimmt die frauenfeindliche Aussage möglicherweise gar nicht wahr. Wer neugierig wird und weiter recherchiert, kann dagegen tiefer in die Gedankenwelten der Manosphere, der Incel-Szene oder extremistischer Online-Communitys geraten.
Mehr als geschmackloser Humor
Jugendschutz.net warnt davor, Junkofication lediglich als schlechten Geschmack oder jugendlichen Grenztest einzuordnen. Die wiederholte Verhöhnung realer Opfer kann Empathie schwächen, sexualisierte Gewalt normalisieren und sexistische Abwertungen fördern. Einige der untersuchten Inhalte bewertet die Fachstelle als potenziell entwicklungsbeeinträchtigend oder sogar jugendgefährdend. Gemeldete Beiträge wurden von TikTok zwar entfernt, nach Einschätzung von jugendschutz.net jedoch häufig erst, nachdem die Organisation den Kontext und die Bedeutung der Inhalte erläuterte.
Der Report richtet sich insbesondere an Erziehende und pädagogische Fachkräfte. Er unterstützt sie dabei, aktuelle Codes, Bildwelten und ideologische Hintergründe besser zu verstehen. Für die medienpädagogische Arbeit macht er deutlich, wie wichtig Gespräche über digitalen Humor, geschlechterbezogene Gewalt und frauenfeindliche Narrative sind. Jugendliche benötigen nicht nur Wissen über einzelne Trends, sondern auch die Fähigkeit, vermeintlich ironische Inhalte kritisch einzuordnen und die dahinterliegenden Abwertungen zu erkennen.
Titel
Frauenverachtender Trend „Junkofication“. Verharmlosung von sexueller Gewalt und Opferverhöhnung auf Social Media
quelle (Erscheinungsjahr)
jugendschutz.net (2026)
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