Ein gefährliches Ungetüm, ein verschneiter Wald und ein kleiner Maulwurf, der sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt. Was zunächst nach einer klassischen Abenteuergeschichte klingt, entpuppt sich schnell als Erzählung über Vorurteile, Freundschaft und die Frage, wie sehr wir uns von unserem ersten Eindruck täuschen lassen. Genau damit beschäftigt sich der elfminütige Animationsfilm „Cœur fondant“ von Benoît Chieux aus dem Jahr 2019. Das Filmbildungsportal kinofenster.de stellt den Kurzfilm zusammen mit einer Filmbesprechung und begleitenden Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die sich insbesondere für den Einsatz in der Grundschule eignen. Der Film selbst kann kostenlos über die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) angeschaut werden.
Eine Geschichte über Vorurteile und Freundschaft
Im Mittelpunkt steht die kleine Maulwurfsdame Anna, die sich trotz eisiger Temperaturen auf den Weg zu ihrem Freund Bizerte macht, um mit ihm einen selbstgebackenen Schokoladenkuchen zu teilen. Doch der Weg führt durch einen Wald, in dem angeblich ein gefährliches Ungetüm sein Unwesen treibt. Gemeinsam mit der Spinne Lulu setzt Anna ihre Reise dennoch fort und begegnet schließlich dem gefürchteten Riesen. Dabei stellt sich heraus, dass dieser keineswegs so gefährlich ist, wie die anderen Tiere behaupten. Stattdessen bietet er den Waldbewohner in seinem warmen Bart Schutz vor der Kälte.
Anhand dieser überraschenden Wendung verdeutlicht der Film, wie schnell Vorurteile und Gerüchte entstehen und unsere Wahrnehmung anderer Menschen beeinflussen können. Dabei spielt insbesondere die filmische Gestaltung eine entscheidende Rolle. Durch den gezielten Einsatz von Farben, Größenverhältnissen und Kameraperspektiven wird der Riese zunächst als bedrohlich dargestellt, bevor sich das Bild im weiteren Verlauf verändert. Damit bietet der Kurzfilm nicht nur Anknüpfungspunkte für Gespräche über Vorurteile, Ausgrenzung und Freundschaft, sondern ermöglicht gleichzeitig eine erste Auseinandersetzung mit der Wirkung filmischer Gestaltungsmittel.
Vom Filmgespräch bis zum eigenen Stop-Motion-Film
Für die pädagogische Auseinandersetzung mit dem Film stellt kinofenster.de zwei unterschiedliche Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Das erste richtet sich an Schüler:innen ab der ersten Klasse und eignet sich insbesondere für die Fächer Deutsch, Ethik, Lebenskunde, Kunst und Musik. Dabei thematisieren die Kinder zunächst ihre eigenen Vorstellungen über die Filmfiguren und vergleichen diese nach der Sichtung mit den tatsächlichen Charaktereigenschaften. Anschließend können sie in Kleingruppen eigene Geschichten entwickeln, Figuren gestalten und ab der vierten Klasse optional einen eigenen Stop-Motion-Film produzieren. Auf diese Weise werden sowohl die Reflexion über Vorurteile als auch kreative und filmgestalterische Kompetenzen gefördert.
Ergänzend dazu steht ein weiteres Arbeitsblatt für inklusive Lerngruppen der zweiten bis vierten Klasse zur Verfügung. Dieses legt den Schwerpunkt insbesondere auf die Wahrnehmung und Beschreibung von Gefühlen sowie auf die Reflexion vorschneller Bewertungen. Mithilfe spielerischer Übungen, gemeinsamer Gespräche und kreativer Aufgaben können sich die Schüler:innen mit den Inhalten des Films auseinandersetzen. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, eine Dankeskarte zu gestalten oder gemeinsam einen Schokoladenkuchen zu backen. Darüber hinaus enthält das Material Hinweise zur Anpassung der Aufgaben an unterschiedliche Lernvoraussetzungen, etwa durch den Einsatz von Wort- und Bildkarten oder die gemeinsame mündliche Bearbeitung.
Titel
Cœur fondant. Kurzfilm: Auf dem Weg zu einem Freund muss Maulwurf Anna einen Wald durchqueren, in dem angeblich ein gefährliches Ungetüm lebt (mit einem inklusiven Arbeitsblatt).
quelle (Erscheinungsjahr)
kinofenster.de – Das Online-Portal für Filmbildung, Herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (2026)
Link zur Filmbesprechung: