Generative KI aus Sicht von Jugendlichen: Eine qualitative Studie im Rahmen des Projekts „EU Kids Online“

Generative KI aus Sicht von Jugendlichen: Eine qualitative Studie im Rahmen des Projekts „EU Kids Online“

Generative KI aus Sicht von Jugendlichen: Eine qualitative Studie im Rahmen des Projekts "EU Kids Online"Generative Künstliche Intelligenzen (KI) wie etwa ChatGPT sind für viele Jugendliche längst Teil ihres Alltags geworden. Sie werden für Hausaufgaben genutzt, zum Nachfragen, zum Schreiben von Texten oder einfach, um sich Dinge erklären zu lassen. Die vorliegende Studie von Kira Thiel, Claudia Lampert und Eleysa Memis zeigt, wie selbstverständlich diese Nutzung inzwischen ist und wie unterschiedlich Jugendliche damit umgehen.

Die qualitative Studie wurde im Rahmen des Projekts „EU Kids Online“ durchgeführt und vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg veröffentlicht. Grundlage sind Interviews mit Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren, die Einblicke in ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Nutzungsweisen geben.

Nutzung zwischen Hilfe und Abkürzung

Im Alltag wird KI vor allem als praktisches Werkzeug genutzt. Viele Jugendliche beschreiben, dass sie sich Inhalte erklären lassen, Texte überarbeiten oder Aufgaben strukturieren. Gleichzeitig spielt KI auch bei der direkten Bearbeitung von Schulaufgaben eine Rolle, wie etwa wenn Lösungen übernommen werden. Die Studie unterscheidet hier zwischen unterstützender Nutzung und dem vollständigen Delegieren von Aufgaben. Während KI einerseits beim Verstehen helfen kann, sehen Jugendliche selbst auch, dass sie andererseits dazu führen kann, dass man sich weniger mit Inhalten auseinandersetzt.

Aber auch außerhalb der Schule wird KI genutzt, wie etwa für Alltagsfragen, kreative Ideen oder persönliche Anliegen. In einzelnen Fällen wird sie sogar als eine Art Gesprächspartner wahrgenommen, etwa wenn es um Probleme oder Unsicherheiten geht.

Unsicherheiten und fehlende Orientierung

Trotz der intensiven Nutzung zeigt sich, dass viele Jugendliche nur begrenztes Wissen darüber haben, wie KI funktioniert oder wie zuverlässig die Ergebnisse sind. Häufig wird KI ähnlich wie eine Suchmaschine verstanden nur eben schneller und direkter. Gleichzeitig nehmen Jugendliche durchaus Risiken wahr. Dazu gehören vor allem fehlerhafte Antworten, Desinformation oder die Schwierigkeit, KI-generierte Inhalte von echten zu unterscheiden. Aber auch Themen wie Datenschutz oder der mögliche Missbrauch von Bildern und Informationen spielen eine Rolle.

Auffällig ist, dass der Umgang mit diesen Fragen oft nebenbei erlernt wird. Viele Jugendliche probieren KI einfach aus und entwickeln eigene Strategien im Umgang damit. Unterstützung durch Schule oder Eltern findet dagegen nur vereinzelt statt.

Ein Thema für Medienbildung

Die Studie macht deutlich, dass generative KI bereits fester Bestandteil der jugendlichen Mediennutzung ist. Gleichzeitig fehlt es häufig an Möglichkeiten, diese Nutzung gemeinsam zu reflektieren und einzuordnen. Für die Medienbildung bedeutet das, KI nicht nur als technisches Thema zu behandeln, sondern als Teil alltäglicher Kommunikations- und Lernprozesse. Jugendliche brauchen Räume, in denen sie Erfahrungen austauschen, Fragen stellen und Unsicherheiten klären können.

Titel

Generative KI aus Sicht von Jugendlichen: Eine qualitative Studie im Rahmen des Projekts „EU Kids Online“

quelle (Erscheinungsjahr)

Thiel, Kira; Lampert, Claudia; Memis, Eleysa; Verlag Hans-Bredow-Institut (2026)

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www.ssoar.info