Das ARD Trendradar

Das ARD Trendradar

Das ARD Trendradar. Wie wir heute schon am Morgen arbeitenGenerative Künstliche Intelligenz (KI), neue Plattformlogiken und veränderte Nutzungsgewohnheiten beeinflussen bereits heute, wie Medien entstehen, verbreitet und genutzt werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Entwicklungen die Medienbranche auch in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Genau hier setzt das vorliegende ARD Trendradar an. In einem Beitrag für Media Perspektiven stellt Florian Schmitt vom SWR das Instrument vor und erklärt, wie die ARD Trends identifiziert, bewertet und für ihre strategische Zukunftsarbeit nutzt. Das Trendradar ist ein gemeinsames Projekt der Landesrundfunkanstalten der ARD und der Deutschen Welle und umfasst für das Jahr 2026 insgesamt 20 Entwicklungen, die für Programm, Technik, Verwaltung und Strategie von Bedeutung sein können.

Von schwachen Signalen zu relevanten Trends

Grundlage des Trendradars ist ein mehrstufiger und datenbasierter Prozess. Zunächst sammelt das zuständige Team sogenannte „schwache Signale“. Dazu zählen beispielsweise Fachpublikationen, Interviews mit Expert:innen, technologische Innovationen, Investitionen oder Patentanmeldungen. Anschließend bündelt das Team mehrere solcher Signale zu Mustern, aus denen sich wiederum mögliche Trends ableiten lassen. Eine daraus entstandene Longlist bewertete schließlich ein rund 80 Personen umfassendes Expert:innenteam aus ARD und Deutscher Welle. Dabei standen vor allem zwei Fragen im Mittelpunkt: Wie nah liegt ein Trend am Kerngeschäft der ARD und wie groß ist sein mögliches Disruptionspotenzial?

Auf diese Weise entstanden zehn Fokustrends und zehn weitere Trends. Zu den Fokustrends zählen unter anderem „Demokratie unter Druck“, „Content-Flut“, „Search to Answer“, „Digitale Unabhängigkeit“, „Kennzeichen Vertrauen“, „KI-Kompetenz“ und „Digitale Verletzlichkeit“. Ergänzend nennt das Trendradar beispielsweise „Ausgelagertes Denken“, „Digitale Teilhabe“, „Closed Communities“, „KI-Skepsis“ oder „Synthetische Kolleg:innen“. Allerdings beschränkt sich die Übersicht nicht darauf, einzelne Entwicklungen lediglich zu benennen. Vielmehr ordnet sie auch ein, welche gesellschaftlichen und technologischen Kräfte dahinterstehen und welche konkreten Fragen sich daraus für die Medienarbeit ergeben.

Content-Flut, KI und Vertrauen

Besonders anschaulich wird das am Beispiel der drei Fokustrends, die der Beitrag näher betrachtet. „Demokratie unter Druck“ beschreibt unter anderem sinkendes Vertrauen in demokratische Institutionen, zunehmende Polarisierung und die Normalisierung extremer Positionen. Daraus ergibt sich für Medien beispielsweise die Frage, wie sie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen erreichen und konstruktive Diskursräume schaffen können. Der Trend „Content-Flut“ richtet den Blick dagegen auf die stark wachsende Menge digitaler Inhalte, deren Produktion durch generative KI immer einfacher und günstiger wird. Dadurch gewinnen Fragen nach Qualität, Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit journalistischer Inhalte zusätzlich an Bedeutung.

Gleichzeitig verändert sich auch die Informationssuche. Der Trend „Search to Answer“ beschreibt die Verschiebung von klassischen Suchmaschinen mit Linklisten hin zu KI-gestützten Antwortsystemen und sogenannten Zero-Click-Angeboten. Dadurch hängt die Sichtbarkeit von Inhalten zunehmend auch davon ab, ob KI-Systeme diese erfassen und in ihren Antworten berücksichtigen. Das Trendradar greift somit Entwicklungen auf, die weit über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinausreichen. Gerade Themen wie KI-Kompetenz, Vertrauen, digitale Teilhabe, algorithmische Informationsauswahl und der Umgang mit einer zunehmenden Menge synthetischer Inhalte bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Medienbildung. Sie lassen sich sowohl mit Jugendlichen als auch mit Erwachsenen aufgreifen und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den eigenen Medienalltag reflektieren.

Für die praktische Arbeit innerhalb der ARD nutzt das Projekt unter anderem Zukunftsworkshops. Dort analysieren Mitarbeitende relevante Trends, entwickeln mögliche Zukunftsszenarien und beschäftigen sich damit, welche aktuellen Entwicklungen Veränderungen antreiben oder behindern können. Darüber hinaus versteht die ARD das Trendradar nicht als einmalige Bestandsaufnahme, sondern als Teil eines kontinuierlichen Prozesses.

Titel

Das ARD Trendradar. Wie wir heute schon am Morgen arbeiten

quelle (Erscheinungsjahr)

Media Perspektiven, Florian Schmitt (2026)

Download als PDF über die Webseite des Herausgebers:

www.media-perspektiven.de