Erfahrungen mit Pornografie und Sexting sind seit einigen Jahren fester Bestandteil der digitalen Lebenswelt vieler Kinder und Jugendlicher. Bereits frühere Befragungen haben gezeigt (Befragungswelle 2024, Befragungswelle 2023), dass entsprechende Inhalte häufig ungeplant wahrgenommen werden. Außerdem sind sie mit Unsicherheiten, Neugier und teils auch Überforderung verbunden. Die aktuelle Studie setzt genau an diesen Ergebnissen an und bildet die bislang jüngste Befragungswelle einer fortlaufenden Untersuchungsreihe der Landesanstalt für Medien NRW. Sie ermöglicht es, Entwicklungen nachzuzeichnen und Veränderungen im Umgang mit pornografischen Inhalten und Sexting genauer einzuordnen.
Während die ersten Erhebungen vor allem den frühen Kontakt mit Pornografie und erste Erfahrungen mit Sexting sichtbar machten, rückt die aktuelle Studie stärker die Bewertung und Einordnung dieser Erfahrungen in den Fokus. Dabei wird deutlich, dass pornografische Inhalte für viele Jugendliche weiterhin präsent sind, sich die Zugangswege jedoch verändert haben. So werden Inhalte zunehmend über Soziale Netzwerke, Messenger oder Kurzvideoformate wahrgenommen und sind damit weniger Ergebnis einer bewussten Suche als vielmehr beiläufige Bestandteile des digitalen Alltags.
Kontinuitäten und Verschiebungen in der Wahrnehmung
Ein Vergleich mit den vorangegangenen Befragungen zeigt sowohl Kontinuitäten als auch Verschiebungen. Wie bereits zuvor geben viele Jugendliche an, pornografische Inhalte nicht aktiv gesucht zu haben. Gleichzeitig nimmt jedoch der Anteil jener zu, die solche Inhalte als informativ oder realitätsnah einschätzen. Diese Entwicklung unterscheidet sich von früheren Befunden, in denen pornografische Darstellungen häufiger als überzeichnet oder unrealistisch eingeordnet wurden. Damit wird sichtbar, dass sich Deutungsmuster verändern und der Einfluss digitaler Sexualdarstellungen stärker in die eigene Orientierung hineinwirkt.
Auch beim Thema Sexting bestätigt die aktuelle Studie bekannte Muster, vertieft sie jedoch weiter. Sexting ist für einige der Jugendlichen Teil einvernehmlicher Kommunikation, bleibt jedoch häufig von Druck, Erwartungen und Grenzverletzungen begleitet. Unerwünschte Nachrichten, das Weiterleiten privater Inhalte oder soziale Verpflichtungen treten weiterhin auf und betreffen insbesondere Mädchen. Im Vergleich zu den vorherigen Befragungen zeigt sich, dass diese Problemlagen nicht abnehmen, sondern sich verfestigen.
Einordnung für Prävention und Medienbildung
Die Ergebnisse der aktuellen Befragungswelle verdeutlichen, dass Erfahrungen mit Pornografie und Sexting nicht isoliert betrachtet werden können. Sie sind eingebettet in digitale Kommunikationsräume, Gruppendynamiken und gesellschaftliche Vorstellungen von Sexualität. Die Studienreihe insgesamt macht sichtbar, dass Aufklärung langfristig angelegt sein muss und nicht bei punktuellen Maßnahmen stehen bleiben darf.
Für die medienpädagogische Praxis bedeutet dies, Sexualität, digitale Medien und Grenzfragen zusammenzudenken. Kinder und Jugendliche benötigen kontinuierliche Begleitung, um Inhalte einordnen, eigene Grenzen reflektieren und Grenzverletzungen benennen zu können. Die aktuelle Studie liefert dafür wichtige Anknüpfungspunkte und zeigt, wie sich Herausforderungen im Zeitverlauf verändern.
Titel
Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos
quelle (Erscheinungsjahr)
Landesanstalt für Medien NRW (2025)
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