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Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos

Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos

Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos (Titelseite)Laut der JIM-Studie 2023 ist immerhin knapp ein Viertel der Jugendlichen schon einmal ungewollt auf pornografische Inhalte im Netz gestoßen. Und gemäß der vorliegenden Studie der Landesanstalt für Medien NRW hat bereits ein Drittel (35 %) der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren schon einmal einen Porno gesehen. Außerdem haben 21 % der Jugendlichen schon mal selbst gesextet, also eine Text- oder Bild- bzw. Videonachricht mit sexuellem Inhalt versendet. Die Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos ist also ein relevantes Thema, wie die Befragung von über 3.000 Jugendlichen zeigt.

Interessanterweise unterscheiden sich Jungen und Mädchen beim Sexting selbst kaum; nur in der älteren Kohorte (14 bis 17 Jahre) haben Mädchen (31 %) häufiger als Jungen (26 %) schon mal Sexting-Nachrichten verschickt. Allerdings machen das nur 3 % der Befragten regelmäßig.
Dabei gibt es durchaus Unterschiede in der Verantwortlichkeit, mit der Sexting-Nachrichten versendet werden. 37 % der Befragten, die schon einmal gesextet haben, berichten, dass sie nicht vorher nach Zustimmung gefragt haben. Hier zeigen sich besonders deutliche Geschlechts- und Altersunterschiede. Fast zwei Drittel der befragten Jungen im Alter zwischen 11 und 13 Jahren (65 %) geben an, so gehandelt zu haben. Im Vergleich dazu sind es nur 11 % der 14- bis 17-jährigen Mädchen. Auch mit Material, das ihnen zugeschickt wurde, gehen die Befragten nicht gleichermaßen verantwortungsbewusst um. 29 % aller Befragten und 39 % der 11-13-jährigen Jungen, die bereits gesextet haben, haben schon mal sexuelle Inhalte und/oder Nudes von jemand anderem weitergeleitet.

Erstkontakt mit Pornos ab 10 Jahren

Die Studie macht zudem deutlich, dass der Konsum von Pornos quasi normal ist. Der Erstkontakt findet meistens zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr statt. Dabei zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen und Geschlechtern. Während die Jungen zwischen 14 und 17 Jahren häufiger (45 %) aktiv danach gesucht haben als die Mädchen (35 %), wurden jüngeren Mädchen (32 %) die Inhalte häufiger ungefragt zugeschickt. Auch in der Bewertung der Inhalte unterscheiden sich die Geschlechter deutlich. Während Mädchen Pornos eher unrealistisch, dumm und abstoßend oder verstörend finden, nehmen Jungen deutlich häufiger die erregende Wirkung wahr.

Diese Zahlen sind insofern relevant, als Pornos zumindest für eine Minderheit einen Einfluss auf das Selbstbild haben und auf die Vorstellung, wie sich das jeweilige Geschlecht beim Sex zu verhalten habe. Vor allem bei Jungen hat zudem der Pornokonsum einen Einfluss auf die Bewertung sowie Nutzung von Handlungen und Begriffen beim Sexting. Da die Verbreitung sexueller Darstellungen und Handlungen Minderjähriger strafbar ist, hat dieses Verhalten auch strafrechtliche Relevanz. Daher müssen neben medienpädagogischen Maßnahmen, die Pornografie und den Umgang damit thematisieren, auch Jugendmedienschutz-Standards konsequent durchgesetzt werden.

Titel

Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos

Quelle (Erscheinungsjahr)

Landesanstalt für Medien NRW (2023)

Download als PDF über die Website des Herausgebers:

www.medienanstalt-nrw.de