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Interaktionsrisiken aus der Perspektive von Neun- bis Dreizehnjährigen

Interaktionsrisiken aus der Perspektive von Neun- bis Dreizehnjährigen

Online-Interaktionsrisiken Studie JFF DKHW 2021Mit dem neuen Jugendschutzgesetz, das am 1. Mai 2021 in Kraft trat, fanden erstmals ausdrückliche Schutzziele Eingang in das Gesetz. Dazu gehören der Schutz vor Risiken für die persönliche Integrität und Förderung von Orientierung bei der Mediennutzung. Zugleich wurde ein neuer Tatbestand gesetzlich beschrieben: Interaktionsrisiken, die sich aus der Nutzung digitaler Medien ergeben.

Damit ist nicht weniger als ein fundamentaler Paradigmenwechsel gegeben, denn bisher waren es ausschließlich inhaltliche Entwicklungsrisiken wie Ängstigung, Verstörung, sozialethische Desorientierung u.a., die Gegenstand der Betrachtung waren. Mit dem Tatbestand der Kommunikations- und Interaktionsrisiken wechselt die Perspektive dagegen auf die dem Medium selbst innewohnende Gefährdung, unabhängig vom konkreten Medieninhalt. Dass dies Anlass zu (juristischen) Debatten gibt, liegt auf der Hand. Aber wie erleben Kinder und Jugendliche selbst denn diese Gefährdung?

Dazu hat das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. (DKHW) eine qualitative Studie mit vierzehn Heranwachsenden zwischen neun und dreizehn Jahren durchgeführt. Dabei ging es um die Nutzung von Messenger-Diensten, Social-Media-Angeboten und Online-Games.

Wenn Kinder und Jugendliche Messenger nutzen, spielen Kontakte mit Fremden keine Rolle. Dagegen sind sie in anderen Social-Media-Angeboten als Follower, Kommentierende oder Chat-Partner:innen häufig auch in Kontakt mit ihnen fremden Personen. Allerdings zeigen die Befragten mit Ausnahme der Jüngsten, für die das (noch) kein Thema war, durchweg ein Risikobewusstsein, das auch zu vermeidendem Verhalten führt. Insbesondere die Älteren wissen, dass hypothetische Offline-Treffen gefährlich sein könnten.

Interaktionsrisiken vermeiden helfen

Erfreulicherweise kennen die Befragten Handlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten und bewerten sie zum Teil positiv. Allerdings sehen sie mit Blick auf die erwünschte Teilhabe nicht alle als zweckdienlich. So wird das Einstellen des eigenen Accounts auf „privat“ durchaus ambivalent gesehen, da damit zwar ein Schutz vor ungewollten Kontakten gegeben ist, erwünschte Kontakte aber auch eingeschränkt werden.

Dass Eltern oder Pädagog:innen als Vertrauenspersonen und wichtige Anlaufstelle gesehen werden, ist ebenso erfreulich. Zugleich zeigt dies aber auch die Notwendigkeit medienkompetenter Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die entsprechender eigener Kompetenz bedarf. Auch abschirmende Maßnahmen wie technische Jugendschutzeinstellung brauchen letztlich eine pädagogische Begleitung im Übergang zur wachsenden Autonomie Jugendlicher. Wünschenswert sind darüber hinaus in die Angebote integrierte Konzepte zur elterlichen Begleitung sowie spezielle Medienangebote, die ausschließlich für Kinder konzipiert sind.

TITEL:

Online-Interaktionsrisiken aus der Perspektive von Neun- bis Dreizehnjährigen. Eine Studie des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. (Schriftenreihe des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. – Heft 9)

QUELLE (ERSCHEINUNGSJAHR):

Deutsches Kinderhilfswerk e.V. (2021)

Download als PDF über die Website des Herausgebers:

www.dkhw.de


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