Katzenvideos, Memes und Influencer — Social Media im Kinder- und Familienalltag

Katzenvideos, Memes und Influencer — Social Media im Kinder- und Familienalltag

Katzenvideos, Memes und Influencer. Social Media im Kinder- und FamilienalltagEin eigenes Profil, regelmäßige Posts und endlose Chats? Bei Kindern im Kita- und Grundschulalter sieht Social Media meist noch ganz anders aus. Häufig beginnt die Nutzung mit einzelnen Videos, die über das Familien-Tablet, den Smart-TV oder das Smartphone der Eltern angesehen werden. Wie diese ersten Erfahrungen in den Familienalltag eingebunden sind, untersucht das Forschungsgutachten „Katzenvideos, Memes und Influencer. Social Media im Kinder- und Familienalltag“. Die Studie entstand im Auftrag der www.blm.de und wurde von Prof. Dr. Jeffrey Wimmer und Dr. Moritz Schweiger von der Universität Augsburg durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen Kinder zwischen drei und zehn Jahren sowie die Frage, welche Inhalte sie nutzen, wie Eltern den Zugang regeln und welche Chancen und Schwierigkeiten Familien wahrnehmen.

Das 86-seitige Gutachten bietet insbesondere Eltern, pädagogischen Fachkräften und Multiplikatoren in Kita, Grundschule, Elternbildung und Medienpädagogik einen detaillierten Einblick in den frühen Umgang mit Sozialen Medien. Dafür wurden verschiedene Forschungsmethoden miteinander verbunden. Zwischen September und Dezember 2025 nahmen 378 Eltern an einer Online-Befragung teil. Hinzu kamen Interviews und Beobachtungen in 20 Familien sowie Gruppengespräche mit insgesamt 20 fünf- und sechsjährigen Kindern. Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die beteiligten Familien überwiegend einen vergleichsweise hohen Bildungsstand aufweisen. Aus diesem Grund lassen sich die Erkenntnisse nicht ohne Weiteres auf alle Familien und soziale Milieus übertragen.

YouTube statt eigener Social-Media-Profile

Die Ergebnisse zeichnen ein Medienbild, das sich deutlich von der Social-Media-Nutzung Jugendlicher unterscheidet. 71 % der befragten Eltern geben an, dass ihr Kind YouTube nutzt. Mit großem Abstand folgt WhatsApp mit 26 %. Instagram kommt auf 5 %, TikTok auf lediglich 2 %. Klassische Funktionen Sozialer Netzwerke wie das öffentliche Teilen eigener Beiträge, die Pflege eines Profils oder der Aufbau einer digitalen Reichweite spielen in dieser Altersgruppe kaum eine Rolle. Stattdessen sehen die Kinder vor allem Ausschnitte aus Filmen und Fernsehsendungen, lustige Clips sowie Musik- und Tanzvideos. Unterhaltung, Zeitvertreib und Entspannung gehören entsprechend zu den wichtigsten Nutzungsmotiven. Mehr als die Hälfte der Kinder verbringt täglich höchstens 30 Minuten mit Social-Media-Angeboten. Häufig findet die Nutzung am Nachmittag oder in kurzen Pausen des Familienalltags statt. Die Familieninterviews zeigen außerdem, dass Videos etwa beim Ausruhen, auf längeren Autofahrten oder zur Überbrückung kleiner Wartezeiten eingesetzt werden. Für Eltern können diese kurzen Medienphasen zugleich Freiräume schaffen, um zu kochen, aufzuräumen oder andere Aufgaben zu erledigen. Gesehene Inhalte werden von den Kindern eher im persönlichen Gespräch nacherzählt als digital geteilt.

Regeln, Begleitung und gemeinsame Verantwortung

Eltern ermöglichen die Nutzung nicht voraussetzungslos. Rund 80 % legen ein tägliches Zeitlimit fest, das durchschnittlich bei 34 Minuten liegt. Bei der Auswahl von Plattformen und Inhalten verlassen sich 71 % vor allem auf ihre eigene Einschätzung. 42 % orientieren sich zusätzlich an Altersfreigaben und Empfehlungen. Innerhalb einer Plattform unterscheiden viele Eltern zwischen verschiedenen Angeboten. Insbesondere schnell aufeinanderfolgende Kurzvideos werden kritischer beurteilt als längere und gezielt ausgewählte Inhalte. Trotz dieser Vorbehalte berichten 69 % von positiven oder eher positiven Erfahrungen ihrer Kinder. Weitere 20 % nehmen sowohl angenehme als auch problematische Erfahrungen wahr. Als Chancen werden vor allem Lernmöglichkeiten und Anregungen für die Fantasie genannt. Sorgen bereiten dagegen Schwierigkeiten beim Beenden der Nutzung, ungeeignete oder überraschend eingeblendete Inhalte sowie Konflikte um die vereinbarte Medienzeit.

Mehr als eine Frage der Bildschirmzeit

Aus den Ergebnissen leiten die Autoren einen Unterstützungsbedarf ab, der über allgemeine Empfehlungen zur Bildschirmzeit hinausgeht. Medienbildung sollte bereits in Kita und Grundschule Kenntnisse über Werbung, algorithmische Empfehlungen und die Wirkung kurzer Videoformate vermitteln. Gleichzeitig dürfen die Anforderungen nicht allein bei den Familien liegen. Auch Plattformanbieter und Gesetzgeber sind gefragt, kindgerechte Voreinstellungen, begrenzte Werbeeinblendungen und leicht verständliche Kontrollmöglichkeiten sicherzustellen. Die Studie macht damit deutlich, dass nicht nur die Dauer der Nutzung entscheidend ist. Ebenso wichtig sind die ausgewählten Inhalte, die technischen Funktionen einer Plattform und die Frage, ob Kinder bei ihren Erfahrungen begleitet werden.

Titel

Katzenvideos, Memes und Influencer. Social Media im Kinder- und Familienalltag

quelle (Erscheinungsjahr)

Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) (2026)

Download als PDF über die Webseite des Herausgebers:

www.blm.de