Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der KH Mainz
 
Geschichtsbilder in rechtsextremer Onlinepropaganda

Geschichtsbilder in rechtsextremer Onlinepropaganda

Geschichtsbilder in OnlinepropagandaDieser Report von jugendschutz.net nimmt ein bestimmtes Phänomen näher unter die Lupe: Die Instrumentalisierung von historischen Ereignissen zur Verbreitung von rechtsextremem Gedankengut. Es stellt sich heraus, dass geschichtliche Zusammenhänge umgedeutet und mithilfe von gegenwärtigen Internettrends verbreitet werden. So wird beispielsweise mithilfe von Memes und Sharepics rechtsextremes Gedankengut transportiert. Durch die Verwendung von jugendlichen Ausdrucksweisen richten sich die demokratiefeindlichen Inhalte explizit junge Menschen. Einige der Strategien werden im Rahmen des Reports dargestellt und näher betrachtet.

Das Internet als Werbeplattform für Rechtsextremismus

Im Report werden die verwendete Ausdrucksweisen und Bildinhalte betrachtet. Zielgruppe der betrachteten Inhalte sind Menschen in der Identitätsfindung, wie Kinder und Jugendliche es sind. Indem sie explizit auf die bei Jugendlichen laufenden Identitätsentwicklungsprozesse abzielen, sollen Zugehörigkeits- und Abgrenzungsbestrebungen in rechtsextreme Richtungen gelenkt werden. Rechtsextreme Inhalte werden außerdem zur Attraktivitätssteigerung an aktuelle Internettrends angepasst. Der Report bietet Hintergrundwissen zu Sharepics und anderen Internetphänomenen, die entsprechendes Gedankengut implizit und explizit verbreiten.

Unter Bezugnahme auf historische Personen als potenzielle Vorbilder werden rassistische Moralvorstellungen wie etwa die Deutung der Kreuzzüge als „Rückeroberung“ des „Christlichen Abendlandes“ verwendet, um islamfeindliche Parolen zu etablieren. Es werden jegliche Widersprüche ausgeblendet und in Sinnstrukturen eingebettet, welche rechtsextreme Ideologien verbreiten und vermeintlich legitimieren. Sie befürworten Gewaltanwendungen und diskriminierende Behandlungen von Menschen. Dass das Internet als Bezugsquelle für geschichtliches Wissen neben Elternhaus und Schule dient, ist dabei ein wichtiger Faktor.

Inhalt dieser historischen Umdeutungen sind vor allem die Kreuzzüge und Weimarer Republik. Die untersuchten Inhalte enthalten nicht selten Jugendmedienschutzverstöße. Immerhin werden dabei verfassungswidrige Organisationen, Lieder, Parolen und Zeichen nationalsozialistischen Ursprungs sowie die Leugnung bzw. Relativierung des Holocausts in zeitgenössische NS-Propaganda gepackt.

Fazit

Insgesamt bietet der Report einen Einblick in die Instrumentalisierung des digitalen Raumes durch die rechtsextreme Szene zur Anwerbung von jungen Menschen. Er ist gleichzeitig ein Plädoyer zur Verbesserung der Gegenstrategien in Social Media und Steigerung von Medienkompetenz, um diese Inhalte in (historischen) Kontext setzen zu können. Zudem wird auf weitere Informationsquellen verwiesen, beispielsweise auf vertiefenden Informationen zu rechtsextremen Geschichtsbildern und auf eine Studie dazu, wie die Generation Z zur NS-Zeit steht.

Titel

Geschichtsbilder in rechtsextremer Onlinepropaganda – Historische (Um-)Deutungen als Gegenstand des Jugendmedienschutzes

Quelle (Erscheinungsjahr)

Jugendschutz.net (2022)

Download als PDF über die Webseite des Herausgebers:
www.jugendschutz.net