Nachrichten sind jederzeit verfügbar und erreichen Menschen heute über Fernsehen, Nachrichtenportale, Soziale Netzwerke oder Messenger. Gleichzeitig wächst bei vielen das Bedürfnis, sich bewusst von aktuellen Meldungen zurückzuziehen. Der vorliegende „Reuters Institute Digital News Report 2026 – Ergebnisse für Deutschland“, herausgegeben vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) als deutscher Teil der internationalen Reuters-Institute-Studie, untersucht, wie Menschen in Deutschland Nachrichten nutzen, welchen Quellen sie vertrauen und welche Rolle Soziale Medien, KI und Newsfluencer:innen dabei spielen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Nachrichten weiterhin einen festen Platz im Alltag haben. 90 Prozent der erwachsenen Internetnutzer:innen kommen mehrmals pro Woche mit Nachrichten in Kontakt. Gleichzeitig ist das Interesse an Nachrichten leicht zurückgegangen. So geben nur noch 51 Prozent an, sehr oder äußerst interessiert zu sein. Auffällig ist außerdem, dass 72 Prozent der Befragten Nachrichten zumindest gelegentlich bewusst vermeiden, 15 Prozent sogar häufig. Dabei verzichten sie jedoch nicht vollständig auf Nachrichten, sondern blenden bestimmte Themen oder Quellen zeitweise aus.
Soziale Medien gewinnen weiter an Bedeutung
Das Internet bleibt die wichtigste Nachrichtenquelle. 67 Prozent nutzen mindestens einmal pro Woche Online-Nachrichten, für 44 Prozent ist das Internet inzwischen die wichtigste Informationsquelle. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei den 18- bis 24-Jährigen. In dieser Altersgruppe beziehen 60 Prozent Nachrichten über Soziale Medien, 44 Prozent nennen diese als wichtigste Nachrichtenquelle und für 17 Prozent sind sie sogar die einzige Quelle für aktuelle Informationen. Dennoch werden Soziale Netzwerke meist ergänzend zu klassischen Nachrichtenangeboten genutzt und ersetzen diese nur selten vollständig.
Auch sogenannte Newsfluencer:innen spielen insbesondere für jüngere Zielgruppen eine immer größere Rolle. Die Studie zeigt jedoch, dass sie klassische journalistische Angebote bislang nur in wenigen Fällen ersetzen. Stattdessen werden sie vor allem als unterhaltsam und leicht verständlich wahrgenommen. Gleichzeitig gewinnen Online-Nachrichtenvideos weiter an Bedeutung. Besonders häufig werden sie über YouTube und Instagram genutzt, wobei sich die bevorzugten Formate je nach Plattform unterscheiden.
KI spielt bisher nur eine Nebenrolle
Erstmals untersucht der Bericht auch die Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) für Nachrichten. Die Ergebnisse zeigen, dass KI-Chatbots derzeit noch eine vergleichsweise geringe Rolle spielen. Lediglich fünf Prozent der Befragten haben in der Woche vor der Befragung einen Chatbot genutzt, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren. Wenn KI eingesetzt wird, dann vor allem, um Nachrichten erklären oder zusammenfassen zu lassen, Rückfragen zu stellen oder Quellen besser einordnen zu können. Gleichzeitig ist das Vertrauen in KI gering. Nur 13 Prozent vertrauen Nachrichten, die von KI-Chatbots bereitgestellt werden. Damit liegen sie auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie Nachrichten in Sozialen Medien und deutlich hinter klassischen Nachrichtenangeboten oder Suchmaschinen.
Der Digital News Report macht deutlich, dass sich die Nachrichtennutzung weiter verändert. Während digitale Angebote und Soziale Medien zunehmend an Bedeutung gewinnen, bleiben klassische Nachrichtenmedien wichtige Informationsquellen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Vertrauen, Nachrichtenvermeidung und der Umgang mit KI die Nachrichtennutzung künftig stärker prägen werden.
Titel
Reuters Institute Digital News Report 2026 – Ergebnisse für Deutschland
quelle (Erscheinungsjahr)
Hölig, Sascha; Behre, Julia; Stöwing, Ezra; Möller, Judith: Reuters Institute Digital News Report 2026 – Ergebnisse für Deutschland. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut (2026)
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