Zwischen Suchmaschine und Gesprächspartner: Wie KI-Chatbots unsere politische Informationssuche verändern

Zwischen Suchmaschine und Gesprächspartner: Wie KI-Chatbots unsere politische Informationssuche verändern

Zwischen Suchmaschine und Gesprächspartner: Wie KI-Chatbots unsere politische Informationssuche verändernWer politische Informationen sucht, greift schon lange nicht mehr ausschließlich auf klassische Suchmaschinen oder journalistische Angebote zurück. Auch KI-Chatbots wie ChatGPT entwickeln sich zunehmend zu einer Anlaufstelle für Fragen zu politischen Themen. Dabei liefern sie nicht nur einzelne Suchergebnisse, sondern bündeln Informationen in direkten Antworten und ermöglichen Rückfragen im weiteren Gesprächsverlauf. Doch wie formulieren Nutzer:innen ihre Anfragen eigentlich und welchen Einfluss haben diese Prompts darauf, wie ein KI-Chatbot nach Informationen sucht? Genau diesen Fragen widmet sich die vorliegende Studie „Zwischen Suchmaschine und Gesprächspartner: Wie KI-Chatbots unsere politische Informationssuche verändern“ der Landesanstalt für Medien NRW. Die Studie untersucht damit nicht nur, wofür Menschen generative KI einsetzen, sondern vor allem, wie sie KI-Chatbots konkret zur politischen Informationssuche nutzen.

Viele Fragen, wenig Prompt Engineering

Für die Untersuchung befragten die Forschenden 2.009 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, die zumindest gelegentlich KI-Chatbots nutzen. Dabei integrierten sie zwei konkrete Nutzungsszenarien in den Online-Fragebogen. In einem Szenario konnten sich die Teilnehmenden zu einem selbst gewählten politischen Thema informieren, während sie im zweiten Szenario ein vorgegebenes Thema erhielten. Dadurch erfasste die Studie nicht nur Selbstauskünfte, sondern auch die tatsächlichen Eingaben der Nutzer:innen. Auffällig ist dabei, dass viele Nutzer:innen ihre Anfragen an KI-Chatbots ähnlich formulieren wie bei klassischen Suchmaschinen. So bestand der überwiegende Teil der ersten Eingaben aus Fragen. Daneben verwendeten Nutzer:innen häufig kurze Suchbegriffe oder Stichwörter. Ausführlichere Prompting-Techniken spielten dagegen kaum eine Rolle. Direkte Ansprachen, höfliche Formulierungen oder konkrete Rollenzuweisungen an den Chatbot kamen nur selten vor. Die Autorinnen kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass viele Nutzer:innen KI-Chatbots eher als reaktives Recherchewerkzeug und weniger als dialogischen Gesprächspartner einsetzen.

Gleichzeitig verändert sich die Art der Eingaben im Verlauf eines Gesprächs. Während Nutzer:innen zunächst überwiegend konkrete Fragen stellen, reagieren sie bei späteren Prompts häufiger auf die vorherige Antwort oder schließen das Gespräch mit kurzen Aussagen ab. Auch die Formulierung hängt nicht ausschließlich von individuellen Gewohnheiten ab. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass Nutzer:innen ihre Prompting-Strategien an die jeweilige Situation und den Gesprächsverlauf anpassen. Besonders relevant ist das, weil die Formulierung eines Prompts mitbestimmen kann, auf welcher Informationsgrundlage ein KI-Chatbot antwortet. So zeigt die Studie, dass aktuelle und faktisch überprüfbare Fragen deutlich häufiger eine Websuche auslösen als Meinungs- oder Orientierungsfragen.

Wenn die Informationsgrundlage unsichtbar bleibt

Genau hier liegt eine zentrale Herausforderung für die Medienkompetenz. Nutzer:innen können häufig nicht nachvollziehen, warum ein KI-Chatbot bei einer bestimmten Anfrage aktuelle Internetquellen heranzieht und bei einer anderen ausschließlich auf sein vorhandenes Trainingswissen zurückgreift. Eine Websuche garantiert zwar ebenfalls keine richtige Antwort. Allerdings bleibt ohne ausreichende Transparenz schwer erkennbar, auf welchen Informationen die jeweilige Antwort basiert und wie aktuell diese sind. Die Studie macht deshalb deutlich, dass ein kompetenter Umgang mit generativer KI über das reine Formulieren von Prompts hinausgeht. Nutzer:innen müssen KI-Antworten kritisch prüfen und gleichzeitig verstehen, dass bereits die eigene Fragestellung die erzeugte Antwort und deren Informationsgrundlage beeinflussen kann. Allerdings verstehen die Autorinnen ihre Ergebnisse auch als Momentaufnahme. Da sich KI-Anwendungen und ihre technischen Funktionen schnell verändern, lassen sich die beobachteten Nutzungsmuster nicht ohne Weiteres dauerhaft auf zukünftige Systeme übertragen.

Titel

Zwischen Suchmaschine und Gesprächspartner: Wie KI-Chatbots unsere politische Informationssuche verändern

quelle (Erscheinungsjahr)

Landesanstalt für Medien NRW (2026)

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www.medienanstalt-nrw.de