Jugendmedienschutzindex

Jugendmedienschutzindex: Der Umgang mit onlinebezogenen RisikenDass es Jugendmedienschutz (JMS) braucht, um vor allem (kleine) Kinder, aber auch Jugendliche vor Überforderung und anderen negativen Einflüssen durch Medien zu schützen, ist unbestritten. Spannend war in den letzten Jahren vor allem die Debatte, wieviel rechtliche Regulierung dazu sinnvoll ist. Und ob dies angesichts der sich immer weiter digitalisierenden Medienlandschaft überhaupt noch in Form nationaler Gesetze möglich ist. Vor allem die letzte Frage fordert auch die Medienpädagogik heraus. Denn ihre Aufgabe ist es, angemessene Konzepte für ein intelligentes Risikomanagement beizutragen, das die Idee einer zunehmenden Medienkompetenz von Jugendlichen auf dem Weg zum mündigen und verantwortlich handelnden Erwachsenen ernst nimmt.

Die spannende Frage, wie es denn um die Kompetenzen derjenigen bestellt ist, die Kinder auf diesem Weg begleiten, ist Thema der vorliegenden Studie. Sie wird von der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. herausgegeben. Die inhaltliche Verantwortung und Erstellung liegt beim Hans-Bredow-Institut Hamburg und dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, München.

Empirische Basis ist eine bundesweite repräsentative Befragung „von Heranwachsenden zwischen 9 und 16 Jahren, die das Internet nutzen, und jeweils einem Elternteil, das für die Online-Erziehung zuständig ist bzw. sich am besten mit der Online-Nutzung des Kindes auskennt“ (S. 8). Dabei wurden für beide Zielgruppen vier Bereiche untersucht, die für den Jugendmedienschutz relevant sind:

  • Worüber machen sich Eltern und Heranwachsende Sorgen im Hinblick auf die Online-Nutzung?
  • Welche Einstellung haben die beiden Gruppen jeweils zu bestimmten Maßnahmen des Jugendmedienschutzes?
  • Was wissen Eltern über das System des Jugendmedienschutzes in Deutschland?
  • Wie handeln Eltern, um ihre Kinder vor Online-Risiken zu schützen, und wie nehmen die Kinder dies wahr?

Anstelle einer schlichten Unterscheidung „kompetent“ – „inkompetent“ erarbeitet die Studie acht elterliche Handlungsmuster. Diese sind „jeweils durch ein spezifisches Muster aus Sorgen, jugendmedienschutzbezogenen Einstellungen und Schutzhandeln charakterisiert“ (S. 10). Ergebnisse anderer Studien wie DIVSI U9 werden bestätigt hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen formaler Bildung der Eltern und Wissen über das Jugendmedienschutzsystem (S. 94).
Wie lassen sich die beobachteten Unterschiede im Erziehungshandeln erklären? Dazu wird erstmals in einer Matrix der Zusammenhang zwischen Erziehungsstil (engagiert vs. nicht engagiert), Einstellung zum JMS (skeptisch vs. überzeugt) und allgemeiner Besorgtheit in Bezug Online-Risiken (besorgt vs. Unbesorgt) dargestellt und für die sich daraus ergebenden acht möglichen Konstellationen überprüft (S. 101-108).

Auch wenn dies keine unmittelbar praxisbezogene Materialempfehlung ist, lohnt die Lektüre der Studie. Denn die wichtige Debatte um eine wertbezogene Medienerziehung – und nichts anderes ist die Frage nach Jugendmedienschutz – erhält damit eine solide empirische Basis. Im Ergebnis liegt dadurch erstmals ein Jugendmedienschutzindex vor. Und daraus ergeben sich Anfragen sowohl an das System des Jugendmedienschutzes als auch an die medienpädagogische Unterstützung für diejenige Zielgruppe, die die Hauptverantwortung für die praktische Umsetzung und damit für das Funktionieren von Jugendmedienschutz trägt: die Eltern!

Titel:

Jugendmedienschutzindex: Der Umgang mit onlinebezogenen Risiken

Autor/Herausgeber (Erscheinungsjahr):

FSM – Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (2017)

Download als PDF über die Websiten des Herausgebers:
www.fsm.de

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