Jugendmedienschutzindex: Pädagogische Fachkräfte

Jugendmedienschutzindex 2018 TitelbildDer zweite Teil der Studie Jugendmedienschutzindex: Der Umgang mit onlinebezogenen Risiken präsentiert die Ergebnisse der Befragung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften zum Thema. Herausgeber und Initiator der Studie ist die FSM – Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter. Die Durchführung lag beim Hans-Bredow-Institut in Zusammenarbeit mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Zusammen mit dem ersten Teil der Studie zur Sicht von Eltern und Erwachsenen sowie der Heranwachsenden selbst liegt damit eine umfassende Darstellung von Sorgen, Einstellungen, Wissen und Handlungsperspektiven in Bezug auf den Schutz von Heranwachsenden vor negativen Online-Erfahrungen vor.

Dazu wurden in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein insgesamt 296 pädagogische Fach- und Lehrkräfte an schulischen (79%) und außerschulischen (21%) Einrichtungen explorativ befragt. Wie im ersten Teil der Studie ging es dabei inhaltlich um vier Bereiche Sorgen, Einstellungen, Wissen und Handeln, wobei der letztere in zwei Teilbereiche aufgesplittet wurde:

  • Einschätzung von Online-Risiken
  • Einstellungen zum Jugendmedienschutz
  • Jungedmedienschutzbezogenes Wissen und Online-Fähigkeiten
  • Jugendmedienschutzbezogenes Handeln und seine institutionellen Rahmenbedingungen
  • Altersbezogene Risikowahrnehmung und jugendmedienschutzbezogenes Handeln

Die risikobezogenen Einschätzungen sind dabei durchaus hoch. Auffällig ist vor allem die Wahrnehmung von Risiken, die direkt mit dem Verhalten der Kinder und Jugendlichen zusammenhängen: dass sie „zu viel Zeit mit Online-Medien verbringen (92%), dass sie mit zu viel Werbung konfrontiert werden (88%) und dass sie zu viele Daten von sich preisgeben (86%)“. (S. 10)

Die Zustimmung zum Jugendmedienschutz ist wie bei den Eltern sehr hoch. Allerdings weisen die Befragten den Eltern die Hauptverantwortung dafür zu. Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass die Selbsteinschätzung der Fähigkeit, Kinder und Jugendliche „(sehr) gut“ beim Umgang mit Online-Risiken unterstützen zu können, eher schwach ausfällt: nur die Hälfte der Befragten stimmt dieser Aussage zu (S. 11). Dazu passt, dass auch nur gut die Hälfte angibt, „dass medienpädagogische Inhalte Teil ihrer Ausbildung waren“ (S. 21).

Schlussfolgerungen für Bildungspolitik, -organisation und -praxis

Die vorliegende Studie untersucht die meist getrennt betrachteten Bereiche schulische und außerschulische Medienbildung gemeinsam. Daher sind die  Konsequenzen besonders interessant. Eine zentrale Forderungen lautet, dass die Einrichtungen medienpädagogische Konzepte entwickeln sollten, die Jugendmedienschutz explizit thematisieren (S. 127). Dabei sollte das Zueinander der Handlungsfelder Prävention, Jugend(medien)schutz und Medienkompetenzförderung geklärt werden und entsprechende Fort- und Weiterbildungen angeboten werden. Vor allem bedarf es einer realistischen Einschätzung der eigenen Handlungmöglichkeiten wie der Verantwortung von Eltern und Heranwachsenden (S. 132-133).

Schließlich sind auch die Anbieter von Medien gefordert, sich stärker im Jugendmedienschutz zu engagieren. Vor allem die Vermeidung von hinsichtlich Kontaktrisiken und die Verbesserung des Datenschutzes gehören zu deren Aufgaben (S. 136).

Denn nur im Zusammenspiel aller Beteiligten kann es gelingen, ein intelligentes Risikomanagement zu etablieren, das Medien als Handlungsraum von Kindern und Jugendlichen sieht und nicht primär als Bedrohung.

 

Titel:

Jugendmedienschutzindex: Der Umgang mit onlinebezogenen Risiken. Ergebnisse der Befragung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften

Autor/Herausgeber (Erscheinungsjahr):

FSM – Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (2018)

Download als PDF über die Websiten des Herausgebers:
www.fsm.de

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