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Politisches Bildhandeln

Politisches Bildhandeln

Soziale Netze wirken offensichtlich als Brandbeschleuniger für Politisches Bildhandeln (Titelseite)Extremismus und Radikalisierung. Wenn junge Menschen solche sozialen Räume nutzen, sind sie damit konfrontiert und müssen sich dazu verhalten. Damit kommt am Schnittpunkt von politischer Bildung und Medienpädagogik die Nutzung von Bildern in den Blick. Denn politisches Bildhandeln ist eine Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Extremismus – und das ist Gegenstand der vorliegenden Studie des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.

Laut der aktuellen JIM-Studie geben 56 % der 12- bis 19-Jährigen an, im Monat vor der Befragung mit extremen politischen Ansichten im Netz konfrontiert worden zu sein. Gleichzeitig leisten Jugendliche wesentliche Teile ihrer Identitätsarbeit in sozialen Netzwerken. Dabei nutzen sie sehr häufig visuelle Beiträge wie Memes und Videos. Allerdings ist dies auch eine Methode extremistischer Akteur:innen.  Damit drängt sich die Frage auf, „ob und mit welchen Motiven sich Jugendliche extremistischen Inhalten zuwenden, wie sie diese beurteilen und welche Bedeutung sie für ihre Meinungsbildung haben“ (S. 8). Dazu wurden drei Leitfragen für die Studie formuliert:

  1. Welche Themen bearbeiten Jugendliche mithilfe von visuellen Kommunikaten wie Memes, GIFs, Videos etc. in ihrem alltäglichen Medien- bzw.
    Bildhandeln und welche Bedeutung haben politische Themen in diesem Zusammenhang?
  2. Wie gehen Jugendliche mit niederschwelligen islamistischen und rechtspopulistischen bzw. islamfeindlichen Inhalten um, die ihnen in Form visueller Kommunikate in sozialen Medien begegnen können?
  3. Inwiefern bringen sich Jugendliche mit eigenen Positionierungen und selbstproduzierten Inhalten zu politischen Themen in sozialen Medien ein? (S. 10)

Vertiefte Auseinandersetzung notwendig

Der Bezug eines Themas zur eigenen Lebenswelt ist ein wesentliches Motiv Jugendlicher, sich einzubringen. Dies geschieht am ehesten in semiprivater Kommunikation in Messengern. Dagegen zeigen sie in semiöffentlichen sozialen Netzen eher „kompetente Zurückhaltung“ (S. 92). Ein wesentlicher Ansatz für medienpädagogische Arbeit ist die Nutzung von Bildern und Memes als lebensweltlicher Zugang zu politischen Aushandlungsprozessen. Dementsprechend war die Studie auch an ein medienpädagogisches Praxisprojekt gekoppelt.

Als bleibende Aufgabe formulieren die Autor:innen der Studie die vertiefte Auseinandersetzung zum einen mit extremistischen Narrativen, die Antworten auf gesellschaftspolitische Fragen anbieten, die auch für Jugendliche relevant sind. Zum anderen bedarf es auch einer Beschäftigung mit Gegen-Narrativen, die Strukturen einer demokratischen, offenen und pluralen Gesellschaft fördern. Dazu gehört auch, die Kritikfähigkeit in Bezug auf Bilder und Memes in sozialen Medien zu fördern – zum Beispiel durch entsprechende medienpädagogische Praxisprojekte.

TITEL:

Politisches Bildhandeln. Der Umgang Jugendlicher mit visuellen politischen, populistischen und extremistischen Inhalten in sozialen Medien (Reihe Medienpädagogik Band 23).

QUELLE (ERSCHEINUNGSJAHR):

Georg Materna, Achim Lauber, Niels Brüggen. München: kopaed 2021. ISBN 978-3-96848-017-6

Das Buch ist unter einer Creative Commons Lizenz vom Typ CC BY-ND 4.0 zugänglich über die Website des Herausgebers JFF.


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